Musik von stiller Schönheit

Eine Musik von stiller Schönheit, die sich unentwegt mit dem Wesen des Klingens auseinandersetzt: ein solches Panorama entwirft die Japanierin Makiko Nishikaze, Schülerin von Alvin Curran am Mills College in Oakland (Kalifornien) und von Walter Zimmermann an der Hochschule der Künste Berlin, mit ihrem ausgedehneten Klavierstück aqua – piano – aerial (1999), das sie selbst bei Timescraper Music eingespielt hat. Die Komponistin - so Doris Kösterke im knappen, aber dennoch sehr informativen Booklet-Text - verfolge eine sehr eigentümliche Art des Arbeitens: "Wann immer sie einen neuen Klang gefunden hat, geht sie gedanklich noch einmal ganz an den Anfang der Komposition zurück und verfolgt ihren Lauf bis zu diesem Punkt. Wenn sie bei dem neuen Ton angekommen ist, fragt sie ihn, ob er an dieser Stelle sein möchte. Wenn nicht, dann nimmt sie ihn wieder weg und sucht nach einem neuen Weg für den Fluss des Stückes."

Aus dieser - gleichsam geduldigen wie unerbittlichen - Befragung des Komponierten resultiert auch das eigenartige Klangbild von Nishikazes mehr als einstündigem Klavierstück: Die Musik bewegt sich ganz allmählich von einem Klang zum nächsten und stellt mit jedem erreichten Ziel die Frage nach dem jeweils folgenden Klang; dabei arbeitet die Komponistin geschickt mit subtilen Variationen des bereits Erklungenen im Bereich einzelner Tonhöhen, Intevalle oder Klangfarben. Die Suche nach dem Anschluss wird so musikalisch ausgekostet, lässt - mit Pedal verhallend oder im trockenen Anschlag verklingend - zwischen den Klängen Räume von unterschiedlicher Beschaffenheit, Dichte und Intensität entstehen und schafft so einen Weg durch wechselnde Spannungszustände. Entstanden ist hier eine sehr lohnenswerte CD, die dem Hörer jedoch ein hohes Maß an Aufmerksamkeit für minimale Veränderungen abverlangt.

Makiko Nishikaze, aria - piano - aerial (1999): Makiko Nishikaze (Klavier). - CD Edition Wandelweiser EWR 0301

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© 2004 by Stefan Drees