The Best of James Bond

Bond1 James Bond und kein Ende: Allmählich dürfte sich das Leinwandjubiläum des britischen Geheimagenten wirklich herumgesprochen haben. Nicht nur an der Kinokasse klingelt zurzeit das Geld; auch die Tonträgerindustrie hat sich allerhand einfallen lassen, um der Filmlegende ihren Tribut zu zollen - oder besser: um die Gelegenheit nicht verstreichen zu lassen, selbst ein wenig dabei mit zu verdienen. Der Klassikliebhaber muss da keinesfalls zurückstecken. Nein - auch an ihn hat man gedacht. So hat hänssler CLASSIC anlässlich des 40. Geburtstage von James Bond in der Reihe "faszination music" eine CD mit dem Titel "Best of James Bond" veröffentlicht. 16 Musiktitel aus 20 Kinofilmen werden hier vom SWR Rundfunksinfonieorchester unter Leitung von Dieter Reith interpretiert.

Prinzipiell ist die Idee gut: Mit Dieter Reith wurde zudem ein erfahrener Komponist und Arrangeur von Bigbands gewonnen. Was hätte man also nicht alles anstellen können, wenn - ja: wenn man statt dessen nicht auf konventionell gemachte Unterhaltung gesetzt hätte. Beim Anhören der rund 50-minütigen Produktion merkt man rasch, wie stark die originalen Bond-Songs von den jeweiligen Gesangsinterpreten geprägt werden. Und dies ist das Problem, das Reiths Arrangements nicht zu lösen vermögen: den Part der Stimme übernehmen meist Instrumente mit unverrückbaren und klar artikulierten Tonhöhen wie Synthesizer, E-Gitarre, Klavier, seltener Streicher oder Bläser. All dies ist kein Ersatz für den differenzierten und an Zwischenstufen reichen Vortrag von Sängerinnen wie Tina Turner oder Shirley Bassey (um hier nur zwei Namen stellvertretend für viele andere zu nennen), für die man unkonventionellere Lösungen hätte wählen müssen.

Bond2 Aus diesen Klassikern der Film- und Popmusik ist auf diese Weise nichts anderes biedere Konfektionsware geworden, der zudem noch der rechte Biss fehlt: Synkopen werden zu brav gespielt, Unerwartetes findet keinen Platz, und über weite Strecken hinweg regiert die Einfallslosigkeit, die von den Musikern des SWR Rundfunkorchesters routiniert dargeboten wird. Einziger Lichtblick ist die Entertainerin und Schlagersängerin Ingrid Peters, die den Titeln "All Time High" und "Nobody Does It Better" ihre Stimme leiht und sich mit ihrer starken Interpretation nicht im Geringsten hinter den Original-Interpretinnen Rita Coolidge und Carly Simon verstecken muss. Schade nur, dass man nicht mehr Stücke in dieser Qualität produziert hat.

Der Rest der CD ist lieblos hergestellte Konfektionswahre, die wohl dazu taugen mag, die Musikuntermalung für die "Ziehung der Lottozahlen" zu liefern - aber ansonsten den Hörer eher kalt lässt. Wer die Musik zu James Bonds haarsträubenden Abenteuern mag, sollte daher lieber zu jener Zusammenstellung greifen, die bei Capitol Records unter dem Titel "The Best of Bond... James Bond" erschienen ist: Hier glänzen Originalinterpreten wie Tom Jones, Paul McCartney, Matt Munro, Shirley Bassey, Tina Turner oder Sheryl Crow mit ihren meist bekannten Nummern, und man weiß zumindest, dass sich die Investition auch lohnt...

Best of James Bond: SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern, Ingrid Peters (Solistin). Leitung und Arrangements: Dieter Reith.- hänssler CD 93.083

The Best of Bond... James Bond. Zusammenstellung von 22 Originaltiteln aus Bond-Filmen.- Capitol Records 72435-40554-2-3

 

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© 2002 by Stefan Drees