Unverbindlichkeit und falsches Pathos
Die Auswahl der Klavierkonzerte C-Dur KV 246, B-Dur KV 238 und Es-Dur KV 271 entbehrt nicht der tieferen Logik, orientiert sie sich doch am Programm eines Konzertabends, den Mozart selbst am 4. Oktober 1777 auf der Reise von Salzburg nach Mannheim in München gegeben hatte. Doch so vielversprechend die CD auch auf den ersten Blick erscheint, so herb ist die Enttäuschung, die den Hörer beim Abspielen der Aufnahme erwartet: denn jenen Enthusiasmus, mit dem einige Kritiker das Erscheinen von Mozart-Einspielungen mit dem Gespann Zitterbart/Fey begrüßt haben, indem sie ihnen ein intelligentes und originelles Musizieren bescheinigten, vermag ich ganz und gar nicht zu teilen. Obgleich Thomas Fey in anderen Produktionen durchaus Eigenständiges und Hörenswertes gelungen ist - so etwa in seiner rasanten Einspielung der ersten beiden Beethoven-Sinfonien (vgl. dazu meine Rezension Frisch, engagiert und stürmisch), möchte ich diese Produktion zum größten Teil als missglückt bezeichnen. Mein größter Vorwurf trifft das Gesamtbild der eingespielten Werke: hauptsächlich die Kopfsätze der Konzerte zerfallen in viele kleine Abschnitte, die musikalisch isoliert dastehen und zum Eindruck musikalischer Zusammenhangslosigkeit beitragen. Dies hängt vor allem mit der Behandlung des Orchesters zusammen; denn trotz der Bemühung des Dirigenten um eine authentische Artikulations- und Vortragsweise kommt kein überzeugendes Ergebnis zu Stande. Ganz im Gegenteil: die überspitzt und teilweise recht unsensibel präsentierten Orchestertutti zeigen vielmehr, dass Feys Interpretation nur am oberflächlichen Effekt klebt. Viel zu häufig entpuppt sich sein Zugriff als falsch verstandene Dramatik, die völlig ins Leere läuft und jeglicher Klarheit entbehrt. Hinzu kommt das Klavierspiel Gerrit Zitterbarts, das trotz einiger durchaus gelungener Momente in vielen Fällen profillos und undifferenziert wirkt. In der unruhigen Gestaltung von Überleitungen ist ein Mangel an Sensibilität zu erkennen, der wohl am frappierendsten zu Beginn der Kadenz des Kopfsatzes von KV 238 wahrzunehmen ist, wo Zitterbart ohne jegliche Vorbereitung mit Hast in den kadenzierenden Akkord des Orchesters hineinpoltert und der Musik so eine völlig unpassende Atemlosigkeit aufdrängt, die unfreiwillig komisch wirkt. Im Gegensatz zu den schnellen Rahmenteilen der Konzerte überrascht jedoch die Interpretation der langsamen Sätze durch ihre Geschlossenheit. Insbesondere das in dunklen Farben gehaltene Andantino des Es-Dur-Konzertes KV 271 gestaltet Fey plötzlich im Orchester durch jene weiten Atembögen, die seiner Darstellung ansonsten fehlen, und auch Zitterparts Klavierspiel wird hier zu einem wunderbar intensiven Gesang. So gelungen diese Momente auch sein mögen: sie stehen leider in großem Kontrast zu den übrigen Teilen der Einspielung, in denen Mozarts Musik zu einer Spielwiese wird, auf der vor allem Unverbindlichkeit und falsches Pathos regieren. Eigentlich schade um die vertanen Möglichkeiten... Wolfgang Amadeus Mozart: Konzerte für Klavier und Orchester C-Dur KV 246 (1776), B-Dur KV 238 (1776) und Es-Dur KV 271 (1777). Gerrit Zitterbart (Klavier). Schlierbacher Kammerorchester, Leitung: Thomas Fey.- hänssler CLASSIC CD 98.378
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