Frisch, engagiert und stürmisch

An Aufnahmen von Beethovens Sinfonien herrscht wahrlich kein Mangel; und natürlich gibt es kaum einen Hörer, der hier nicht irgendwelche Vorlieben hat. Neue Produktionen haben es daher immer schwer, sich gegenüber dem Gros der schon bekannten Einspielungen zu behaupten - besonders dann, wenn sie unter Leitung von weniger bekannten Dirigenten entstanden sind. Ganz neu auf dem Plattenmarkt ist eine sehr engagierte Einspielung der Sinfonien Nr. 1 C-Dur op. 21 und Nr. 2 D-Dur op. 36 mit dem jungen Dirigenten Thomas Fey und den Heidelberger Sinfonikern, veröffentlicht von hänssler CLASSIC.

Geschult an den Erfordernissen der historisch-orientierten Aufführungspraxis zeigt Fey dem Hörer einen meist sehr stürmischen Beethoven: Die frischen Tempi der schnellen Sätze drängen nach vorn, wirken dabei aber niemals gehetzt sondern angemessen; kombiniert sind sie mit einer prägnanten, deutlich artikulierten Ausarbeitung der Themen und einer sehr exponierten Darstellung von Beethovens überraschenden und heftigen Akzentsetzungen, die oft genug quer zum musikalischen Verlauf komponiert sind. Das hat zwar zum Vorteil, dass sich die gärende Unruhe der Musik hervorragend mitteilt und den Hörer mitunter irritiert.

Im Fall des Kopfsatzes der 1. Sinfonie wird diese aktionsreiche Zugangsweise jedoch eindeutig ein wenig zu sehr strapaziert, zusätzlich forciert durch den ein wenig zu trocken geratenen Klang der Aufnahme: Fey opfert hier die musikalischen Zusammenhänge dem Ausnahmezustand und lässt die Logik der formalen Entwicklung in kleine Einheiten zerfallen. Nicht so dagegen in den langsamen Sätzen sowie in den Einleitungen beider Sinfonien: Hier atmet die Musik und fügt sich trotz der äußerst fein ausgeführten Details unter einen großen Bogen, dessen spannungsreiche Ausgestaltung von Feys großer Sensibilität beim Umgang mit den Klangfarben des Orchesters zeugt.

Musikalisch gesehen überzeugt diese Aufnahme in beinahe allen Aspekten und hinterlässt einen sehr positiven Eindruck; allerdings ergibt sich aus Feys Konzeption ein wesentlicher Kritikpunkt: Während der Großteil des Orchesters auf modernen Instrumenten einen entschlackten "historischen Klang" simuliert, sind bei den Blechbläsern und Pauken tatsächlich historische Musikinstrumente besetzt. Diese Kombination aus Alt und Neu überzeugt in ihrer Gesamtheit nicht ganz und erzeugt neben vereinzelten Unsicherheiten in der Intonation ein hybrides Klangbild, dessen Komponenten nicht immer zusammenpassen. Vielleicht wäre es besser gewesen, auf die Zugabe alter Instrumente zu verzichten und die Musik allein aus dem Bewusstsein eines historisch korrekten Musizierens heraus zu gestalten.

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21; Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36. Heidelberger Sinfoniker. Leitung: Thomas Fey.- hänssler CLASSIC CD 98.375

 

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© 2000 by Stefan Drees