Die Kunst der Prachtentfaltung
Mitreißend ist das klingende Ergebnis allemal: Rillings Interpretation der "Krönungsmesse" rückt die klangliche Prachtentfaltung in den Mittelpunkt und zeichnet sich durch eine treffende Tempowahl aus, die insbesondere im Hinblick auf die stimmigen Temporelationen zwischen den einzelnen Abschnitten und Werkteilen sehr überzeugend geraten ist. Bei seinen Bemühungen wird Rilling bestens von der Gächinger Kantorei unterstützt, deren Vortrag durch einen äußerst homogenen Chorklang und strahlende Vokalfarben beeindruckt. Dieser kommt etwa in den gänzlich unpathetischen "Kyrie"-Rufen des Beginns oder in der nuancenreichen "Crucifixus"-Passage des "Credo" besonders gut zum Ausdruck. Wünschenswert wäre es allerdings, eine solche Sorgfalt um die klangliche Realisierung auch im Hinblick auf die Deklamation der Texte walten zu lassen, der man vor allem im Zusammenhang mit den Vesperae solennes de Confessore an einigen Stellen mehr Deutlichkeit und Profil wünschen könnte. Ein anderes Problem - zum Teil wohl auch aufnahmetechnisch bedingt - ist die klangliche Balance, die häufig zu Gunsten des Chores das Orchester zu sehr in den Hintergrund drängt. Zudem könnten manche Teile der "Krönungsmesse", so das ausgedehnte Credo, durch stärkere dynamische Kontraste nunacenreicher wirken und einige polyphone Abschnitte aus KV 339, etwa der Beginn des "Magnificat", eine weniger fest gefügtes Klangbild vertragen. Die genannten Kritikpunkte sind aber eher gering im Vergleich zu der meist überzeugenden Gesamtwirkung der drei eingespielten Werke. Sie verdankt sich nicht vor allem auch der hervorragenden Qualtität des Solistenquartetts, dessen stimmliche Zusammensetzung mit Donna Brown (Sopran), Claudia Schubert (Alt), Marcus Ullmann (Tenor) und Klaus Häger (Bass) kaum besser gewählt sein könnte. Sowohl mit ihren Einzel- als auch mit ihren Ensembleleistungen bilden die vier Interpreten ein klanglich ausgewogenes Gegenstück zur Gächinger Kantorei. Allein Donna Brown vermag im ersten Teil der Solokantate "Exsultate, jubilate" trotz der schlafwandlerischen Treffsicherheit, mit der sie dem schwierigen Stück begegnet, nicht immer zu überzeugen, neigt sie doch dazu, die Konturen von Mozarts genauestens gezeichneten Koloraturen mit ihrem übermäßigen Virbrato zu verwischen. Schließlich überzeugt auch das Bach-Collegium durch einen ausgewogenen Klang, der allerdings manchmal ein wenig stärker artikuliert sein könnte. Dass Mozarts in den beiden ausgedehnteren geistlichen Kompositionen mit eher bescheidenen orchestralen Mitteln arbeitet - ist doch etwa der Streichersatz durch Aussparung der Bratschen auf drei Stimmen reduziert -, lässt sich der facettenreichen Aufnahme nicht anmerken. Ein besonderes Lob geht in diesem Zusammenhang an die Holzbläser, deren Stimmen äußerst kontrastreich modelliert sind. Wolfgang Amadeus Mozart: Missa C-Dur KV 317 ("Krönungsmesse"); Exsultate, jubilate KV 165; Vesperae solennes de Confessore KV 339. Donna Brown (Sopran), Claudia Schubert (Alt), Marcus Ullmann (Tenor), Klaus Häger (Bass). Gächinger Kantorie. Bach-Collegium Stuttgart. Leitung: Helmuth Rilling.- hänssler CLASSIC CD 98.395
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