Barocke Kammermusik auf hohem Niveau
Dabei präsentiert sich - obgleich Händels Sonaten grundsätzlich deutlich italienisch geprägt sind und wesentlich von Arcangelo Corellis Violinsonaten beeinflusst wurden - ein in seiner Gesamtheit recht abwechslungsreiches Bild, das von den viersätzigen Sonaten D-Dur HWV 378 und e-moll HWV 359b mit ihrer kontrastierenden Folge aus langsamen und schnellen Sätzen über die siebensätzige Sonata h-moll HWV 367b und die mit drei langsamen Sätzen beginnende fünfteilige Sonata e-moll HWV 379, bis hin zur Sonata G-Dur HWV 363b mit ihrer Verwendung zeitgenössischer Tanzformen reicht. Mit Konrad Hünteler finden die genannten Werke einen einfühlsamen und kompetenten Interpreten, dessen Spiel vor allem durch klare Artikulation und Phrasierung überzeugt. Sein Vortrag ist immer nunancenreich und von warmer Tongebung und fällt insbesondere in den langsamen Sätzen durch den fantasiereichen und geschmackvollen Umgang mit der barocken Verzierungspraxis auf. Gerade in solch ruhigen Teilen spielt die Continuogruppe mit Rainer Zipperling (Viola da gamba und Violoncello) und Carsten Lohff (Cembalo) sehr präzise und lässt dem Solisten viel Raum zur melodischen Entfaltung. Kein Zweifel: hier herrscht eine ausgesprochene Liebe zum feinen Detail. Angenehm zurückhaltend und lediglich in den virtuoseren Passagen hervortretend, bleibt das Spiel von Rainer Zipperling in seiner wichtigen Funktion als grundierende Bassstimme zumeist im Hintergrund, wobei es jedoch passagenweise sogar klanglich zu sehr hinter das Cembalo zurück tritt. Durchaus wünschenswert wäre dagegen eine stärkere Profilierung und Schwerpunktsetzung des Basses insbesondere in den Tanzsätzen gewesen, wo die markante Rhythmik in vielen Fällen zu uniform ausfällt. Der Vorwurf des mangelnden Abwechslungsreichtum trifft leider auch den Vortrag von Carsten Lohff, der zwar den Cembaloparts mit technischer Perfektion und Gestaltungsreichtum realisiert, aber dennoch von Zeit zu Zeit das Gefühl von Eintönigkeit nicht vermeiden kann. Die Continuogruppe hinterlässt daher in ihrem Zusammenwirken manchmal eher den Eindruck einer wenig strukturierten Hintergrund-Klangfläche als den einer gleichberechtigten Dialog- oder Fundamentstimme, wodurch einige der raschen Sätze mitunter ein wenig zu monoton ausfallen. Von solchen schwachen Momenten abgesehen, bringt die Produktion jedoch barocke Kammermusik auf angenehm hohem Niveau. Georg Friedrich Händel: Sämtliche Flöten-Sonaten: Sonata D-Dur HWV 378, Sonata e-moll HWV 379, Sonata h-moll HSV 367b, Sonata G-Dur HWV 363b, Sonata e-moll HWV 359b. Konrad Hünteler (Flöte), Rainer Zipperling (Viola da gamba, Violoncello), Carsten Lohff (Cembalo).- CD MDG 311 1078-2
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