Kristallene Skulpturen aus Klang
Diese Worte des Komponisten Peter Ablinger enthalten die Essenz dessen, was seine Musik ausmacht: Seine Werke gleichen einem konturlosen Rauschen, das der Hörer selbst strukturieren muss, um sich darin zurecht zu finden. Es handelt sich um eine Musik, die ein aufmerksames Hineinlauschen und ein geduldiges Eindringen in ihr dem ersten Anschein nach abweisendes Äußeres erfordert. Fast könnte man sie als ereignislos beschreiben, präsentiert sie doch meist vom ersten bis zum letzten Ton eine Klangsituation, die sich oberflächlich gesehen kaum verändert. Doch damit wird man Ablingers Werken nicht gerecht. Vielleicht sollte man sie eher als Skulpturen aus Klang beschreiben: räumlich wirkende Gebilde, die zwar ihre Konturen bewahren, innerhalb derer sich aber eine Vielzahl von Klangereignissen feinster Art abspielen, weshalb sie in permanenter Bewegung sind. Ausleuchtung von Klangräumen
Mit der Übereinanderschichtung verschiedener Ebenen arbeitet Ablinger auch in seinen Kompositionen Ohne Titel für 14 Instrumentalisten (1992) und Quadraturen IV ("Selbstportrait mit Berlin") für Ensemble und Zuspielband (1995-98): immer ist es das Ähnliche, das in vielfachen Brechungen häufig mithilfe minimalster musikalischer Mittel ausgeleuchtet und verändert wird - ein Effekt, der in letzterer Komposition durch die zusätzliche Verwendung zugespielter Aufnahmen mit Straßenlärm intensiviert wird. Obgleich die Aufnahmequalität der beiden Live-Aufnahmen von Der Regen, das Glas, das Lachen und Quadratur IV nicht die Klarheit der Studioaufnahme von Ohne Titel erreicht, bestechen die klingenden Ergebnisse allesamt durch die äußerst feinfühlige Zeichnung fluktuierender Ereignisse, die Cambreling aus den Instrumentalaktionen des Ensembles herausfiltert. Am besten und eindringlichsten erfährt man die ständigen Bewegungen des musikalischen Gewebes freilich erst, wenn man sich den versammelten Stücken unter Zuhilfenahme eines Kopfhörers widmet. Peter Ablinger: Der Regen, das Glas, das Lachen (1994); Ohne Titel (1992); Quadraturen IV («Selbstportrait mit Berlin») (1995-98). Klangforum Wien. Leitung: Sylvain Cambreling.- CD KAIROS 0012192KAI Klingende Lichtbrechungen
Auch hier regiert die minimale Veränderung innerhalb des Klingenden. Die phänomenale Konzentriertheit von Hildegard Kleebs Spiel, das die überlappenden kompositorischen Schichten mit großer artikulatorischer und farblicher Rafinesse bewältigt, lädt dazu ein, den Stillstand als Veränderung von Lichtverhältnissen, als langwährenden Wandel über 50 Minuten hinweg zu verfolgen und sich dabei in die feinen Verästelungen des Klingen hinein zu versenken. Dies wird durch eine exzellente Aufnahmetechnik unterstützt, die den Klavierklang so stark verräumlicht, dass der Hörer sich von ihm umgeben glaubt. Peter Ablinger: Grisailles 1-100 (1991-93). Hildegard Kleeb (Klavier).- CD hat [now] ART 132
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