Vielfältiges musikalisches Panorama
Mit Echoes II (1980) und Dies Diem Docet (1986) wurden hier etwa zwei Beispiele aus Dinescus Oeuvre für Klavier eingespielt, die sich durch komplexe Klangereignisse, zum Teil unterstützt durch die Verwendung von Schlaginstrumenten, auszeichnen. Wie unterschiedlich ihre Arbeiten für diverse Kammermusik-Besetzungen sein können, beweisen zwei weitere Kompositionen: Das Duo Lun Ju für Violine und Akkordeon (1994), dessen Titel auf den chinesischen Philosophen Kung-fu-tse verweist, ist als eine Art Zwiegespräch zwischen Meister und Schüler konzipiert, das sich durch seine überwiegend kontemplative dialogische Grundstimmung auszeichnet. Dagegen spielt sich in dem Trio Icos für Bassklarinette und zwei Akkordeons (1997) ein ständiges Wechselspiel von Überblendungen verschiedenster musikalischer Gesten ab, das sich in kontrastreichen Klangfärbungen niederschlägt. Dass die Komponistin auch mit den Möglichkeiten der menschlichen Stimme sehr einfallsreich umzugehen weiß, illustrieren die beiden Werke SchattenRosenSchatten für Singstimme mit Schlagwerk (1997) und Quatrain für Singstimme: Während in ersterem durch die vokalklangliche Verfremdung des zugrunde liegenden Textes von Ingeborg Bachmann sowie durch Hinzunahme von Perkussionsinstrumenten die Grenzbereiche vokaler Gestaltungsmöglichkeiten erkundet werden, bewegt sich letzteres flexibel zwischen geräuschhaften Stimmfärbungen, sprechgesangsartigen Deklamationen, Sprechen und melodischem Singen. Ganz anders wirkt dagegen das Gesangsquartett Ein Brief (1994) mit seinen leicht ironischen Untertönen. Die Verbindung von Stimme und Instrument ist schließlich Gegenstand der letzten drei Kompositionen: Die Vertonung des Eichendorff-Gedichts Mondnacht für Gesang und Orgel (1985) ist ganz von den Kontrasten bestimmt, die sich aus den fahlen Klangfarben der Orgel und dem oftmals exaltierten Duktus der Stimme ergeben. Mit dem Fragment aus "Hunger und Durst" für Gesang und Posaune (1985) liegt ein spannendes Beispiel aus Dinescus Schaffen für das Musiktheater vor. Besonders packend aber ist das Werk Dona Nobis Pacem für Gesang mit Schlagwerk und Violoncello (1987) mit seiner Verschmelzung unterschiedlicher vokaler Traditionen, deren verschwenderischer Melismatik zunächst ein karger, auf eine Saite reduzierter Cello-Vortrag im Pizzicato entgegengesetzt ist, der jedoch im weiteren Verlauf virtuos aus diesem Gleichmaß ausbricht. Insgesamt liefert diese Porträt-CD mit ihren Live-Aufnahmen ein beeindruckend vielfältiges und facettenreiches Bild von Violeta Dinescus Komponieren. Allein die Pausen zwischen den einzelnen Werken hätten meiner Meinung nach bei der Produktion besser kalkuliert werden müssen, da die einzelnen Stücke viel zu rasch aufeinander folgen. Um die Höreindrücke besser verarbeiten zu können, empfiehlt sich daher zwischendurch immer wieder die Bedienung der Pausentaste des CD-Players. Violeta Dinescu. Portrait: Echoes II (1980), SchattenRosenSchatten (1993), Lun Ju (1994), Dona Nobis Pacem (1987), Ein Brief (1994), Dies Diem Docet (1986), Quatrain (1986), Icos (1997), Fragment aus "Hunger und Durst" (1985), Mondnacht (1985). Diverse Interpreten.- CD gutingi 507
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