Bereicherung für den Hörer

Der Komponist Antonio Rosetti, unter dem Namen Anton Rösler wohl um 1750 im böhmischen Leitmeritz geboren, erhielt im Jahre 1773 eine Anstellung in der Hofkapelle des Fürsten Kraft Ernst in Wallerstein, deren Kapellmeister er später wurde. Auf Grund seiner exzellenten Musiker besaß das Orchester des Fürsten einen hervorragenden Ruf, zu dem insbesondere die Wallersteiner Hornvirtuosen erheblich beitrugen. Es verwundert daher nicht, dass Rosetti für sie eine Reihe höchst einfallsreicher, mit allerlei spieltechnischen Vertracktheiten versehenen Konzerte - insgesamt 17 für Solohorn und sieben für zwei Hörner - komponierte: Werke, deren stets neue musikalische, rhythmische und koloristische Klangvorstellungen für manch einen Zeitgenossen zum unmittelbaren Vorbild wurden.

Vier dieser Konzerte legt hänssler CLASSIC in einer Einspielung mit dem Solisten Zdenek Divoky und dem Tschechischen Kammerorchester unter Leitung von Ondrej Kukal vor. Die Werkauwahl der CD überzeugt durch ein hohes Maß an musikalischem Abwechslungsreichtum; die immer wieder überraschenden Wendungen der Musik weisen Rosetti dabei als Meister der musikalischen Gestaltung aus, dem ein wohl verdienter Platz neben bekannteren klassischen Komponisten gebührt.

So ergeben sich etwa aus dem gekonnt arrangierten Nebeneinander von äußerster Virtuosität und wunderschönen lyrischen Passagen in der Musik spannungsvolle Wirkungen, die mittels raffinierter Stimmungsumschwünge noch verstärkt werden. Aus der Fülle eindrucksvoller Momente ragt etwa der förmlich strahlende Einsatz des Solo-Horn nach der dramatischen Orchestereinleitung im Kopfsatz des Konzerts d-moll heraus, der die düstere Atmosphäre der für Hornkonzerte ungewöhnlichen Tonart wegwischt, als sei nichts geschehen, bevor Rosetti in der fast beklemmend anmutenden Durchführung mit abgedunkelten Farben zu ihr zurückkehrt.

Ebenso erfährt im Adagio-Satz des selben Werkes der weit geschwungene Gesang des Hauptthemas eine dramatische Eintrübung. Besonders eindringlich wirkt auch der kenntnisreich instrumentierte Mittelsatz des E-Dur-Konzertes, dessen tragischer Klagegesang sich plötzlich aufhellt, um schließlich wieder in die Stimmung des Beginns zurück zu finden. Einfallsreich ist aber auch die schön ausgesponnene Orchestereinleitung des Konzerts in Es-Dur mit ihrem beinahe verschwenderischen Melodienreichtum.

Die Einspielung besticht ebenso durch das präzise Spiel von Zdenke Divoky, der dem Solopart der Konzerte eine Vielfalt von sensiblen Nuancen abgewinnt und dabei gleichzeitig mit der enormen Virtuosität der Stücke zu brillieren weiß. Das tschechische Kammerorchester bleibt ein wenig hinter diesem positiven Eindruck zurück: zwar wirkt die Interpretation von Ondrej Kukal sehr musikantisch, doch erscheint angesichts neuerer Entwicklungen im Bereich der historisch-orientierten Aufführungspraxis seine Klanggebung passagenweise zu forciert und romantisierend.

Obgleich man daher einige allzu aufdringlich wirkende Stellen durchaus bedauern und mitunter ein wenig Flexibilität und artikulatorische Raffinesse in der Gestaltung der Orchesterstimmen vermissen mag - so etwa im Finale des E-Dur-Konzerts, wo das übermäßige Vibrato der Streicher ganz besonders störend ist -, wirkt die Aufnahme dennoch zum größten Teil wie aus einem Guss. Dies dürfte wohl vor allem an der unbändigen Spielfreude der Musiker liegen, die sich dem Hörer von Anfang an mitteilt und die Einspielung über einige klanglich unbefriedigende Moment hinweg rettet.

Antonio Rosetti: Hornkonzerte. Concerto Es-Dur (Murray C49/Kaul III:36); Concerto d-moll (Murray C38/Kaul III:43); Concerto E-Dur (Murray C51/Kaul III:42); Concerto Es-Dur (Murray C53/Kaul III:38). Zdenek Divoky, Horn. Tschechisches Kammerorchester. Leitung: Ondreij Kukal.- hännsler CLASSIC CD 98.383

 

Links zum Thema:

Zurück zum Index

© 2001 by Stefan Drees