Furiose Solo-Performance
Dies beginnt bereits mit der Konzeption des Booklets, das zunächst mit dem Text Der Fluch des Blechbläsers aufwartet - einem (wie es heißt) aus dem Lateinischen übersetzten "Ausschnitt eines Telefongesprächs zwischen Mike Svobaoda (Dettenhausen) und Professor Gino el Mash (Vatikan)", der sich in pointierter Weise mit Svobodas Karriere auseinandersetzt, um anschließend in kurzen Stichpunkten die wesentlichen Elemente der eingespielten Kompositionen zu nennen. Das zu Gehör gebrachte Repertoire selbst zeichnet sich durch seine klangliche und ästhetische Vielfalt aus, mit der die ganze Spannweite dessen abgedeckt sein dürfte, was auf der Posaune sowie den Klangerzeugern Alphorn und Euphonium unter Zuhilfenahme aller erdenklichen Hilfsmittel möglich scheint; dabei hat Svoboda im Falle der mehrstimmigen Stücke alle Parts selbst eingespielt. Neben den Tre Pezzi (1956) von Giacinto Scelsi mit ihren weiten Klangverästelungen findet sich da Adriana Hölszkys kraftvolle vierstimmige Komposition WeltenEnden, neben den gestischen Ausbrüchen von Luciano Berios Sequenza V (1966) das eher introvertierte Very Short Trumpet Piece von Morton Feldman, neben den komplexen Überlagerungen der Mobiles and Loops (1989) von Paul Martin Zonn das äußerst virtuose Keren von Iannis Xenakis. Dass die Produktion bei dieser großen Divergenz nicht zu einer Ansammlung beziehungslos hintereinander aufgereihter Musikstücke wird, verdankt sie der übergeordneten Konzeption, in die Svoboda die verschiedenen Werke einbettet. Nicht nur, dass am Anfang und Ende der CD jeweils eine mehrteilige vierstimmige Komposition steht, wodurch die eingespielten Solostücke gleichsam umrahmt werden; daneben schafft Svoboda mit insgesamt vier eigenen Interludien für Stimme und Posaunen intelligente Übergänge zu einzelnen Stücken, die sich auf ganz persönliche Weise mit den eingespielten Werken auseinandersetzen. So verarbeitet Le son du coeur (1999) eine Aufnahme der Stimme Giacinto Scelsis, Et, et, et... basiert auf einem gesprochenen Text Luciano Berios, Lalala, lalala (1999) konfrontiert den Auszug aus einem Vortrag Feldmans mit Klängen seiner Komposition, und Number Theory (1999) erzeugt eine intensive Spannung aus dem Zusammenwirken der Stimmklänge Iannis Xenakis' mit Passagen aus Keren. Svobodas furiose Solo-Performance sei allen Freunden zeitgenössischer Musik wärmstens empfohlen, vereint sie doch die immense Kreativität eines Ausnahmemusikers mit dem ungetrübten Spass an höchst virtuosem Musizieren. Mike Svoboda: power and poetry. Adriana Höszky: WeltEnden; Mike Svoboda: Le son du coeur; Giacinto Scelsi: Tre Pezzi; Mike Svoboda: Et, et, et...; Luciano Berio: Sequenza V; Jan Bark/ Folke Rabe: Bolos; Morton Feldman: A Very Short Trumpet Piece; Mike Svoboda: Lalala, lalala; Iannis Xenakis: Keren; Mike Svoboda: Number Theory; Paul Martin Zonn: Mobiles and Loops. Mike Svoboda (Posaune, Alphorn, Euphonium).- CD c'd records d'c12 Links zum Thema:
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