Eine Perle romantischer Vokalmusik
Das Libretto des Oratoriums, das Emil Flechsig und der Komponist nach dem Orient-Epos Lalla Rookh von Thomas Moore verfassten, ist von einer blumigen Sprache durchdrungen, deren offene Sentimentalität uns heute fremd geworden ist. Dennoch erscheint nichts treffender, um jene alte persische Legende zu erzählen, die hier Gegenstand der Musik geworden ist: Sie erzählt von den Bemühungen der Peri, Zutritt zum Paradies zu erlangen, von dem sie aufgrund ihrer unreinen Herkunft (als Kind eines gefallenen Engels und einer Sterblichen) ausgeschlossen wurde. Zwei ihrer Opfergaben - das Blut eines tapferen jungen Kriegers und der letzte Seufzer einer in den Armen ihres von der Pest dahingerafften Geliebten sterbenden Jungfrau - werden von dem himmlischen Wächter nicht anerkannt; erst mit der dritten Gabe, den Tränen eines Verbrechers beim Anblick eines betenden Knaben, erreicht die Peri schließlich ihr Ziel. Dieses Szenario gibt zahlreiche dramatische und dialogische Szenen vor, die Schumann in eine Reihe äußerst fein gezeichneter Klangbilder umsetzt. In diesen häufig zerbrechlich anmutenden Stimmungsporträts wird seine Meisterschaft, mit dem Instrumentarium des Orchesters umzugehen, sehr deutlich. Exotische Einsprengsel wie der Chor der Janitscharen im ersten Teil, Chorteile wie der kontrapunktisch gearbeitete "Wehe"-Gesang mit seinem fast barock zu nennenden Klagegestus oder der Jubelchor des Finales, lyrische Momente wie das inbrünstige Gebet des Knaben sowie die harmonisch subtil ausgestalteten Rezitative zeigen ihn auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft. Mit Schumanns Das Paradies und die Peri legt der Brite John Eliot Gardiner nach der Gesamtaufnahme der Sinfonien seine bisher zweite Schumann-Einspielung vor. Das heute - leider - kaum aufgeführte Werk erhält durch die Interpretation mit dem historischem Instrumentarium des Orchestre Révolutionnaire et Romantique ein scharf gezeichnetes Profil. Unter Mitwirkung des äußerst dramatisch agierenden Monteverdi Choirs und hervorragender Gesangssolisten wie Barbara Bonney (Sopran), Bernarda Fink (Alt) Christoph Prégardien (Tenor) und Gerald Finley (Bariton) zeigt Gardiner den Komponisten Schumann als Meister einer Orchesterbehandlung, die zwischen äußerster Subtilität und dramatischer Farbgebung vermittelt. Gardiner tut dabei alles, um die Strukturen des Komponierten durchsichtig zu halten und den Gesang gegenüber den Instrumenten perfekt auszubalancieren; vor allem aber nimmt er die Gefühlsinhalte und den sentimentalen Überschwang ernst. Mit dieser Einspielung ist eine hochwertige Referenzaufnahme entstanden, deren hohe Qualität kaum zu überbieten ist. Robert Schumann: Requiem für Mignon op. 98b; Nachtlied op. 108; Das Paradies und die Peri op. 50. Barbara Bonney (Sopran), Alexandra Coku (Sopran), Bernarda Fink (Mezzosopran), Christoph Prégardien (Tenor), Neill Archer (Tenor), Gerald Finley (Bariton), Cornelius Hauptmann (Bass). Moteverdi Choir. Orchestre Révolutionnaire et Romantique. Leitung: John Eliot Gardiner.- Archiv Produktion CD 457 660-2
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