Konzentrierte und nuancenreiche Darbietung
Mendelssohn komponierte das Quartett a-moll op. 13 wenige Monate nach Beethovens Tod zwischen Juli und Oktober 1827 und veröffentlichte es 1830. Das Quartett Es-Dur op. 12 wurde während seiner Englandreise 1829 vollendet und im selben Jahr als op. 12 veröffentlicht. Was an beiden Stücken des jungen Komponisten besticht, ist ihre unmittelbare Reaktion auf die Werke Ludwig van Beethovens: Dessen späte Quartette - von den meisten Zeitgenossen als zu zerrissen und kontrastreich abgelehnt - dienten ihm als Orientierungspunkt, an dem sich sein eigenes Komponieren entzündete. Dabei ist es insbesondere die Beziehung aller vier Sätze untereinander, die - angelehnt an das Beethovensche Vorbild - die formale Meisterschaft der Quartette op. 12 und 13 ausmacht. Was auch immer der Grund dafür sein mag, es ist ausgesprochen schade, dass man diese Kompositionen nicht häufiger zu hören bekommt - scheinen sie doch im Bewusstsein der Öffentlichkeit weitgehend von Mendelssohns großen Oratorien oder Sinfonien verdrängt zu werden. Dabei hat er hier so konzentriert wie selten gearbeitet. Dies kann man feststellen, wenn man der äußerst präzis ausgefeilten Darbietung des Leipziger Streichquartetts lauscht, dessen stimmige Interpretation die formale Dramaturgie beider Kompositionen klar hervor treten lässt. Sei es die innig-zurückhaltende Adagio-Einleitung zu op. 13, die am Ende des Quartetts wiederkehrt, sei es die pathetische Dramatik im rezitativischen Beginn des dortigen Finalsatzes oder die emphatische Schönheit des "Andante espressivo" aus op. 12 - es stimmt jede noch so feine Nuance. Dabei überzeugen die Mitglieder des Leipziger Streichquartetts durch die weite Spanne ihrer zur Verfügung stehenden musikalischen Ausdrucksgebärden, aber auch durch eine traumhaft sichere Intonation, einen kontrastreichen Vortrag der Dynamik sowie eine homogenen Gesamtklang, in dem allerdings jede einzelne Stimme immer ihr charakteristisches Profil behält. Mit ihrer vorbildlichen interpretatorischen Leistung bestätigen Andreas Seidel, Tilman Büning, Ivo Bauer und Matthias Moosdorf einmal mehr, dass sie zu den hochkarätigsten Quartett-Ensembles unserer Tage gehören. Felix Mendelssohn Bartholdy: Streichquartett a-moll op. 13; Streichquartett Es-Dur op. 12. Leipziger Streichquartett: Andreas Seidel (Violine), Tilman Büning (Violine), Ivo Bauer (Viola), Matthias Moosdorf (Violoncello).- CD MDG 307 1055-2
Links zum Thema:
|