Vielfältiger musikalischer Reigen
Die Ouvertüre C-Dur op. 12 schrieb der junge Komponist 1806 in Gotha, wo er als Herzoglicher Konzertmeister der Hofkapelle vorstand. Unter Leitung von Sebastian Weigle entfaltet das Leipziger Kammerorchester hier eine ihrer Zeit weit vorauseilende romantische Klangwelt, deren prächtige Instrumentationswirkungen insbesondere in der langsamen und düsteren Einleitung gut zum Zuge kommen. Im folgenden schnellen Teil mit seiner unruhigen, vielfach dramatischen Wendungen unterworfenen Thematik überzeugt vor allem die dynamisch spannende Realisierung des Notentextes. Das Nonett F-Dur op. 31 markiert einen zweiten Punkt von Spohrs Laufbahn und stellt gleichzeitig einen Gipfel in seinem Kammermusikschaffen dar. Mit dem reizvollen und melodienreichen Werk, das während Spohrs Wiener Jahren kurz vor seiner Ernennung zum Direktor des berühmten "Theaters an der Wien" entstand, schuf der Komponist eine neue Gattung. Obgleich im Tonfall den unterhaltenden Divertimenti der Wiener Klassik durchaus verpflichtet, wendet sich die großformale Anlage der vier Sätze gleichzeitig von dieser Tradition ab. Die eingespielte Interpretation durch das Ensemble Villa Musica besticht vor allem durch ihre klaren Linienführungen. Die Musiker lassen die individuellen Klangfarben der einzelnen Instrumente stets plastisch hervortreten und zeigen so Spohrs Meisterschaft bei der Beherrschung vielfältigster instrumentaler Klangschattierungen. Den Beschluss von Spohrs umfangreichem Konzertschaffen bildet das 1845 komponierte Konzert a-moll für Streichquartett und Orchester op. 131, das trotz seiner konservativen musikalischen Züge durch die Neuheit seiner Besetzung zu überraschen weiß. Das Leipziger Streichquartett beeindruckt hier mit einem untrüglichen Gespür für nuancenreiche musikalische Darstellungen: die vier Musiker passen sich ihrer ungewohnten Solisten-Funktion hervorragend an und entfalten einen durchsichtigen Dialog mit dem begleitetenden Leipziger Kammerorchester, das sich - wiederum unter Leitung von Sebastian Weigle - zwar niemals in den Vordergrund drängt, aber dennoch immer die notwendige klangliche Präsenz zeigt. Louis Spohr: Ouvertüre C-Dur op. 12; Konzert a-Moll für Streichquartett und Orchester op. 131; Nonett F-Dur op. 31. Ensemble Villa Musica. Leipziger Streichquartett. Leipziger Kammerorchester, Leitung: Sebastian Weigle.- CD MDG 307 0849-2
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